Dezember 30th, 2009

… kommt Sylvester eigentlich immer! Wiedermal viel zu viel liegen geblieben, ungelesen, unerledigt. Aber, hey, der Weg ist das Ziel! In diesem Sinne: Feiert schön!

Sektflaschen

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Dezember 27th, 2009

Kathrin Aehnlichs Roman “Alle sterben, auch die Löffelstöre” ist sicherlich kein Buch, das die Literaturwelt erschüttert hat oder noch erschüttern wird. Er ist einfach nur ein “kleiner” Roman über Freundschaft. Aber er hat immerhin mich ein bisschen erschüttert.
Skarlet, die Ich-Erzählerin, arbeitet in einem Zoo, der beachtliche Zucherfolge bei den Löffelstören aufweisen kann. Daher der skurrile Titel. Sonst ist nichts an diesem Buch skurril. Es ist wunderbar echt und die Menschen darin sind tröstlich glaubwürdig. Skarlet ist seit dem DDR-Kindergarten unter Tante Edeltrauts strengem Regime mit Paul befreundet. Paul war immer ein bisschen anders als die anderen, aber immer Skarlets bester Freund. Zusammen ertrugen sie pedantische Väter, abwesende Väter, gestresste Mütter, schweigende Mütter, politische Umbrüche, Scheidungen, Erfolge und Zukunftssorgen.
Aber dann wurde Paul sehr krank und starb. Und nun findet Skarlet, zu Beginn des Romans, in Pauls letztem Brief die Bitte, seine Grabrede zu halten. Sie blickt, auf der Suche nach Worten, auf das gemeinsame Leben und Pauls langes Sterben zurück.
Der Roman ist so ergreifend leise und “normal”, so authentisch und warmherzig, dass man am Ende einfach feuchte Augen hat. Weil man den Wert von Freundschaft, den Trost, der in ihr liegt, die Größe in der vermeintlichen Selbstverständlichkeit, wieder einmal begriffen hat.
Man möchte, wenn man das Buch ausgelesen hat, dringend einen guten Freund anrufen. Oder besser noch - dringend einen guten Freund besuchen gehen.


Alle sterben, auch die Löffelstöre

Kathrin Aehnlich. Piper 2009, Broschiert, 249 Seiten, € 4,79

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Weihnachtsbaum

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Dezember 5th, 2009

Kluftinger, Kommissar im beschaulichen Allgäu, wohnhaft in Altusried, ist genauso drauf, wie es scheint: sehr bodenständig, ein bißchen altbacken, leicht unvorteilhaft gekleidet, übergewichtig und sehr gemütlich. In sein beschauliches Leben zwischen Laienspiel und Tanzkurs platzt ein Selbstmord, den er untersuchen soll. Der junge Mann hat sich augenscheinlich auf der Flucht vor der österreichischen Polzei das Leben genommen. Bei dem Toten werden Aufzeichnungen gefunden, die auf einen Terroranschlag hindeuten. Und das nicht in München, Berlin, Hamburg oder Köln, sondern im Allgäu. Und schließlich wird er auch noch in die Taskforce des BKA berufen, die den Anschlag verhindern soll.
Ach so: es geht hier um “Laienspiel”, den letzten Kluftinger-Krimi von Volker Klüpfel und Michael Kobr.

Und der Wahnsinn beginnt: Angetrieben durch einen Count Down und der starken Vermutung, dass am Ende die Explosion einer Bombe steht, versuchen Kluftinger und die Mitglieder der Task Force die Gefahr irgendwie abzuwenden. Dass Kluftinger dabei von seinem Privatleben arg in Mitleidenschaft gezogen wird hilft der Sache auch nicht wirklich weiter. Sowohl der Tanzkurz mit Langhammers (und seinem Lieblingserzfeind Dr. Langhammer), Aufführung von Schillers “WilhelmTell” als Laienspiel (in dem er eine Sprechrolle übernimmt), seinen hinterfozzeligen Kollegen und außerdem wird er auch noch verdächtigt fremdzugehen und mit Prostituierten zu verkehren (uuhhhh, schlimm, schlimm, schlimm …). Ach der zur Task Force gehörende österreichische Kollege macht die Sache mit seinem Schmä nicht leichter.
Alles spitzt sich darauf zu, dass die Bombe während der Fußball WM in Österreich und der Schweiz in einem Stadion explodieren soll. Ob die Bombe gefunden wird und ob das schon alles war, wird hier natürlich nicht verraten.

Islamistischer Terror in einem deutschen Krimi? Geht das? - Jep, geht! Nicht ungeschickt gelöst von den beiden Autoren durch die Einführung des türkischstämmigen Leiters der BKA Task Force, Yildrim, der sich als äußerst kompetenter und menschlicher Kollege herausstellt und alleine durch seine Anwesenheit und seine Bemerkungen über Religion und Islamismus (er selbst bezeichnet sich als Agnostiker) das Abgleiten in naives Islam-Bashing verhindert.

Viel Muße zum Lesen habe ich im Moment (mal wieder, noch immer) nicht und deshalb findet lesen in der obligatorischen 1/4 Stunde vor dem Einschlafen statt. Und Klufti hat mich wachgehalten! Eine sehr launige Geschichte mit viel Charme und witzigen Figuren, die einfach Spass macht. - Nein, das ist nichts für die Ewigkeit und wahrscheinlich muss ich in einem Jahr hier nachlesen, wie es denn so war. Aber, hey, eine Woche mit guter Laune, bestens unterhalten einschlafen? Das ist es mir allemal wert.


Laienspiel

Volker Klüpfel. Piper 2010, Broschiert, 360 Seiten, € 8,95

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November 8th, 2009

Nein, der Titel ist durchaus richtig geschrieben. Ach, fällt jetzt erst auf? Na, dann seit ihr, wie ich, auf auf einen kleinen Gag von Volker Pispers, dem Autor des Titel gebenden Buches, reingefallen.
So, und jetzt muss ich ein wenig aushohlen: Volker Pispers ist, meiner Meinung nach, der witzigste, gnadenloseste und treffenste politische Kaberettist Deutschlands. Und ich hatte das Glück ihn life zu erleben, und das ist tatsächlich ein Erlebnis. Auch wenn einem mancher Witz im Halse stecken bleibt, weil man bemerkt, wie er einen selbst trifft. Seine Texte entfallten ihre Wirkung durch die Präsenz seines Vortrags. Unübertroffen, wenn er mal eben die aktuellen Geldaufwände der Wirtschaftskrise gegen das Gesundheitssystem aufrechnet. Oder er den abwegigen Ängste vieler Menschen (Terror, Gewalt, Diebstahl) mal reale Gefahren gegenüberstellt (Autofahren, Arztbesuch).
Richtig gut wird es dann, wenn er beginnt Begriffe neu zu deuten, umzudrehen und in andere Zusammenhänge zu setzen. Wunderbar und immer treffend.

Gerne würde ich was aus dem Buch zitieren, aber irgendwie, also, das geht nicht. Also nicht gut, meine ich. Weil, man muss sich einfach immer den Menschen Pispers auf der Bühne vorstellen. Vollbart, Bauch, in Existenzialisten-Schwarz gekleidet. Keine Deko, nur er und ein Headset. - Das wirkt, das ist gut! Die Texte, nur gelesen, brauchen immer die Vorstellung der Stimme dieses Menschen auf der Bühne. Also, tut Euch einen Gefallen und schaut Euch an, was der Mann auf die Bühne bringt. Aber Vorsicht! Jeder kriegt sein Fett weg! Und wenn man bei der letzten Wahl CDU oder FDP gewählt hat, sollte man schon ein sehr dickes Fell mitbringen …
Und nach der Show sitzt er dann im Foyer, unterhält sich mit den Leuten, gibt Autogramme, diskutiert und dann kann man sich ja einfach ein Buch bei ihm kaufen und noch einen flotten Spruch reinschreiben lassen. Da hat man dann auch was zum Vorweisen, wenn die Revolution kommt.Und wenn man gefragt wird, wo man den selber so gestanden hat, dann sagt man: “Ich war schon immer dagegen, in der Opposition! Da! Der Beweis!” und schwenkt das signierte Buch. (frei nach Volker Pispers)

Und hier mein Beweis:

Volkerkunde

Volkerkunde


Viele weitere Informationen findet man auf der Homepage von Volker Pispers.

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August 20th, 2009

Eigentlich will ich über Mathias Noltes - bereits etwas älteren - Roman “Roula Rouge” schreiben, aber ich glaub, ich muss mich erstmal über den Deutschen Buchpreis aufregen. “Roula Rouge” hat es nämlich durchaus mal auf die Longlist geschafft, weiter aber nicht. Und nachdem ich mittlerweile drei Buchpreis-Gewinner-Bücher gelesen und mich nur bei einem nicht tierisch gelangweilt habe, frage ich mich ernsthaft, ob wir Deutschen nicht vielleicht Kultur und Humorlosigkeit miteinander verwechseln? Wieso gewinnt diesen Preis offenbar nur der historisch aufarbeitende, ernste Entwicklungsroman, dessen Held(in) sich durch die Unbillen der deutschen Geschichte kämpft und seelisch zwar angekratzt, doch geläutert, daraus hervorgeht??? Muss das wirklich sein?

Und damit schwenke ich zu M. Nolte, dem ich den Preis echt gegönnt hätte. Sein Buch ist nämlich: leicht, witzig, unterhaltsam und die Figuren nehmen sich nicht ständig bierernst. Und das, obwohl es auch - irgendwie ein bisschen - um deutsche Geschichte geht. Jonathan Schotter, knapp 48, war mal ein Wunderkind der Werbebranche (eine Bacardi-Kampagne wird erwähnt) und halbwegs glücklich mit der Malerin Susanne verheiratet. Zu Beginn des Romans ist er geschieden und arbeitslos, wenngleich auch keineswegs verarmt. Frisch von München nach Berlin umgezogen, streift er ziellos durch die Stadt. Seine neue Luxuswohnung wird noch renoviert, weshalb er in einer Pension mit etwas eigenartiger Wirtin haust. In diesen Schwebezustand Jonathans bricht der Zufall ein: In der S-Bahn sitzt er zwei jungen Frauen gegenüber.  Eine vergisst beim Aussteigen ihren Rucksack auf der Sitzbank. Zunächst will er ihn beim Fundbüro abgeben, aber der Inhalt - ein I-Book - weckt seine Neugier derart, dass er ihn behält. Er knackt das Password und liest sich in die Welt der Besitzerin ein, deren Name offenbar Roula Rouge ist.

Natürlich verliebt Jonathan sich in Roula (eigentlich Emma), obwohl die beiden nichts gemeinsam haben: Er ist ein reicher, sehr penibler, leicht angesnobter Wessi aus der Welt des schönen Scheins, sie eine linke, gern mal für die linke Revolution Mollies werfende, im Kaufhaus klauende, schwarz arbeitende Friseurin aus dem Osten. Zudem ist er doppelt so alt wie sie. Und er ist eigentlich ihr größter Feind, denn über die Chat-Funktion des Rechners hat sie ihm, dem fiesen Computer-Dieb, bereits Rache angedroht. Er plant also, sich ihr heimlich, als Zufallsbekanntschaft zu nähern. Wie es weitergeht, muss jeder selbst rausfinden, aber natürlich treffen die beiden bald aufeinander.

Was den Roman so nett macht, ist, dass die Figuren sehr sympathisch sind, obwohl sie allesamt skurril und manchmal etwas unglaubwürdig sind. Neben den beiden Hauptfiguren gibt es noch die Ex-Frau Susanne, Roulas Freundinnen Mette und Nike, die Wirtin Frau Philipps, den superreichen Unternehmer Herdi, die polnische Putzfrau, den nicht-wirklich-italienischen Kellner usw. usw. Nolte schafft es einfach, sie trotz mancher Seltsamkeiten warm und ehrlich erscheinen zu lassen. Und obwohl man vieles vorherahnen kann, ist die Geschichte nicht platt oder langweilig, sondern schwungvoll und witzig. Und Jonathan ist wirklich ein richtig netter reicher Schnösel, den man gern durch Berlin begleitet.

Warum immer die Langweiler die Buchpreise abstauben, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben. Nolte sollte aber unbedingt noch viel mehr schreiben, soviel ist sicher! Sein Roman “Großkotz” ist leider vergriffen :-( Ein neuer ist aber grad erschienen und wird als nächstes gelesen!

Viel Spaß beim Lesen des Buches!!!


Roula Rouge

Mathias Nolte. Droemer/Knaur 2009, Broschiert, 416 Seiten, € 5,94

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August 11th, 2009

Duisburger wissen Bescheid: allsommerlich gibt es im Landschaftspark Nord wieder das wunderbare Open Air Kino, was dann so open in der air auch nicht ist, aber mit einem unvergleichlichem Ambiente in einer tollen Umgebung aufwarten kann. Wenn man sich nicht ein bißchen beeilt sind die Karten weg! Insbesondere für Blogbuster oder spezielle Events, wie dieses hier.
Die Filme fangen mit Einbruch der Dunkelheit an, was ca. 21:30 Uhr bis 22:15 Uhr bedeutet. Meistens ist man dann doch deutlich eher dort und genießt es in der Strandbar auf dem aufgeschütten Sand zu sitzen und ein bißchen Urlaubsgefühle einzuatmen.
Und jeden Abend spielt dort jemand Gitarre und singt ein paar Coversongs. Mal besser, mal schlechter. Meistens werden die Musiker ignoriert und man nimmt das ganze als Hintergrundmusik halt mit. Read the rest of this entry »

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Juli 23rd, 2009

Der Weg stellt jedem nur eine Frage: “Wer bist Du?”

Dieser Satz steht am Anfang eines Buches, noch vor der Widmung und vor dem Inhaltsverzeichnis. Der gemeinte Weg ist der so genannte Jacobsweg, ein Pilgerweg, der sich über rund 800km von Frankreich nach Santiago de Compostela in Spanien zieht und den jahrein jahraus tausende Pilger aus aller Welt erwandern. Und so auch das “ich” des Titels, kein anderer als Hape Kerkeling.
“Wat? Die Flitzpiepe? Der Oberluschi der Nation? Ey, geht ja garnicht!” - mag man denken. Und so sieht er sich irgenwie auch, als er sich mit der Bemerkung

Ich bin dann mal weg!

von seinen Freunden, denen er nichts von seinem Vorhaben erzählt hatte, verabschiedet und sich auf den Weg macht. Natürlich völlig unvorbereitet.
Unterwegs führt Kerkeling akribisch Tagebuch und beschreibt seinen Weg auf eine sehr liebevolle, einfühlsame und unterhaltende Weise. Natürlich ist es anstrengend und mühselig und insbesondere am Anfang des Weges schummelt er doch ein bißchen, wenn er sich per Anhalter mitnehmen läßt oder eine Etappe per Bahn fährt und damit seinem seiner Couchpotatoe-Kondition Tribut zollt.
Und natürlich trifft er unterwegs auf alle möglichen skurile, hohle und auch sehr nette Menschen. Da gibt es zum Beispiel Schabbel und Gerd, ein deutsches Ehepaar, dass eigentlich nur ob ihres bigotten, ätzenden Gelabers bewundert werden will. Oder ein peruanisch-argentinischer (oder war es ein equatorinisch-bolivianischer?) Wunderheiler-Wahrsager. Profipilger, schlimme Pilgerherbergen, nette kleine Pensionen und viel Latte Macchiato, ohne die irgendwann kein Schritt mehr möglich scheint. Und Freunde für ’s Leben, die findet man auch.

Das Buch ist nett: man geht mit Kerkeling auf die Reise und folgt seinen manchmal melancholischen, traurigen Erkenntnissen, aber natürlich auch seinem Witz und seiner Gabe Situationen bis ins Detail auf urkomische Art zu sezieren. Und hat am Ende ein ganz kleines bißchen das Gefühl sich, wie Kerkeling auch, gefunden zu haben. (Boah, was für ein Geschwurbel! Vergesst das einfach wieder!)
Interessant finde ich, dass er augenscheinlich nach seinem Weg so eine Art Comeback im Fernsehen hinlegte. Wie hieß noch gleich die Tanzsendung? Ich fand das lustig, das hatte was.


Ich bin dann mal weg

Hape Kerkeling. Piper 2010, Broschiert, 368 Seiten, € 7,50

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Juli 1st, 2009

Ich mag ja Kinderbücher. Sie stecken im besten Fall voller anarchischer Energie und witziger Einfälle und im schlechtesten Fall kann man sie abends vor dem Einschlafen lesen, einfach nett. Madita von Astrid Lindgren gehört eher zur zweiteren Kategorie. Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist.

Madita, eigentlich heißt sie Margareta, lebt mit ihrer Schwester in einer wohlhabenden Familie. Es geht ihr gut, allen geht es gut. Sie hat die Gedanken und Vorstellungen eines sechsjährigen Mädchens und auch ihre kleine Schwester Lisabeth ist einfach niedlich. Soweit, so nett.
Der Nachbarsfamilie geht es nicht so gut. Der Vater trinkt und die Familie wird von dem Sohn Abbe so recht und schlecht mit Zuckerkringeln, die er backt, durchgebracht. - Konfliktstoff? Äh, nö! Die Mutter versteht ihren Mann und hilft ihm immer wieder auf die Beine, der Vater selbst trinkt zwar zu viel und vernachlässigt seine Familie, ist aber trotzdem nett und charmant und Abbe erträgt alles. Und macht auch noch ulkige Witze auf Maditas Kosten.

Alles in allem eine doch sehr weichgespülte Lebenswelt. Aber kommen wir dochmal zu den anarschischen Einfällen: So spielen Madita und Lisabet gerne Geschichten aus der Bibel nach, unter anderem auch die Josefsgeschichte. Wie, nicht bibelfest???!! Tststs, also auf jeden Fall mal nachlesen. Die Kurzform geht etwa so: Josef kann hellsehen und wird von seinem Vater den anderen (Halb-)Brüdern vorgezogen. Das finden die natürlich nicht so dolle und verkaufen ihn als Sklaven nach Ägypten, nachdem sie vorher versucht haben ihn in einer Zisterne zu ertränken (jaja, damals ging das so einfach).
Und das spielen die beiden: Lisabet ist Josef und Madita spielt die Brüder. Lisabet steigt in eine Grube, aus der sie ohne Hilfe nicht mehr herauskommt. Und weil Maditan sich noch über Lisabet geärgert hatte, läßt diese sie sitzen und stellt ein Schild auf “KLEINER SCHÖNER SKLAFE ZU FERKAUFEN” und geht davon. Kurze Zeit später bekommt sie Gewissensbisse und kehrt reumütig zurück. Nur: ihre Schwester ist nicht mehr da. Dafür steht dort eine Ergänzung auf dem Schild:

DIESEN SKLAVEN HABE ICH FÜR FÜNF ÖRE GEKAUFT. MUSTAFA AL AKMAR, SKLAVENHÄNDLER

Uuups, also so war das ja nun nicht gemeint. Diese Schurken, denkt Madita,und das für lumpige fünf Öre. - Aber natürlich klärt sich alles auf; allerdings muss Madita bis dahin noch ein bißchen bibbern und grämen ob ihrer Schlechtigkeit.

Ein leichtes nettes Buch, was immer wieder zum Schmunzeln einläd und auch den einen oder anderen Lacher bereithält. Gut zum Abschalten und Runterkommen. In diesem Sinne: Gute Nacht!


Madita. Gesamtausgabe

Astrid Lindgren. 1980, Gebundene Ausgabe, 370 Seiten, € 16,90

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Seit einiger Zeit mal wieder was auf Englisch. Was die Sache mit einem philosophischen, Lebensentwurf vorstellenden Buch nicht wirklich leichter macht. Aber mal von vorne.

Der Autor Richard Bach ist selbst der Ich-Erzähler. Er fliegt mit einem alten Doppeldecker durch die Gegend, landet mal hier und dort und verkauft für eine Handvoll Dollar Rundflüge in seiner fliegenden Kiste. Eines Tages landet neben ihm ein weiterer Pilot mit seiner Maschine, der genau das gleich macht wie er. Dieser Mensch, Don, ist sehr merkwürdig, denn er sagt, er sei ein Messias. Und tatsächlich hat er einige “Zaubertricks” drauf. Sein Flugzeug braucht keine Wartung, muss nicht von Fliegen gereinigt werden und fliegt quasi ohne Benzin. Eigentlich hat er überhaupt keine Lust ein Messias zu sein, weil die Geschichten der Messiasse dieser Welt in der Regel damit enden, dass eine aufgebrachte Menschenmenge sie umbringen.
Richard beginnt von Don zu lernen und zu erkennen, dass die Realität wesentlich davon abhängt, was man über sie denkt. Wenn man denkt, dass das Flugzeug kein Benzin braucht, dann braucht es auch keins. Wenn man nur fest genug daran glaubt, dass Wasser fest ist, dann kann man auch darüber laufen. Alles ist Einbildung. Oder vielleicht besser: Alles ist deiner Vorstellungskraft unterworfen.
Wie man Messias werden kann, ist dem Handbuch für Messiasse nachzulesen. (Ein Handbuch für angehende Messiasse? Coole Idee!) Immer wieder werden Aussagen aus diesem Buch eingestreut. So steht auf dem Einband des Buches:

Here is a test to find wether your mission on earth is finished: If you ‘re alive, it isn’t.

Eine wesentliche Aussage des Buches ist quasi die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Don macht klar, dass es nur um zwei Dinge geht: Man ist auf der Welt um zu lernen und um Spass zu haben. Ansonsten ist man frei zu sein was man will. Auch ein Messias.

Das war mein zweiter Anlauf, das Buch zu lesen. Beim ersten mal habe ich das Buch ein wenig genervt zur Seite gelegt. Ein Buch, in dem jemand einem anderen lehrt über Wasser zu laufen? Bullshit! - Aber, wenn man das ganze als eine große Metapher auf das Leben sieht, dann beginnt es Sinn zu machen. Alles in allem ist es eine, vielleicht leicht verklausulierte, Anleitung zum Glücklichsein. Und gleichzeitig eine Warnung, dass man mit solch einer Lebensweise einer Reihe Menschen auf die Füße tritt. (Man erinnere sich an das Ende der Messiasse dieser Welt …)

Noch ein Zitat aus dem Handbuch für Messiasse?

The bond that links your true family is not one of blood, but one of respect and joy in each other’s life. Rarely do members of one family grow up under the same roof.

Mittlerweile gefällt mir das Buch gut. Viele bedenkenswerte Ansätze, viele Aha-Effekte. Allerdings muss man sich ein bißchen auf die Art und die Geschichte des Buches einlassen. - Lesen? Ach, macht doch mal. Ist nur ein schmales Büchlein (144 Seiten). Und kostet auch nur ein paar Euro.


Illusions

Richard Bach. Dell 1989, Taschenbuch, 192 Seiten, € 4,20

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