sind auch Kurzgeschichten nicht, aber immerhin kann man sie in der Regel in ein paar Minuten lesen. Sie bieten eine in sich geschlossene Zerstreuung beim Warten auf den Zug, vor dem Einschlafen, in der Mittagspause oder, wie bei mir auf der Fahrt mit der Bahn nach Potsdam, wohin es mich beruflicherdings für einen Tag verschlagen hat. Da ich rund fünf Stunden im Zug sitze, wäre auch ein Roman angebracht gewesen, allerdings habe ich nicht nur eine Geschichte dabei, sondern eine kleine Sammlung von dreizehn, die ich am Ende meiner Dienstreise gelesen haben möchte.
Der geneigte Leser fragt sich sicherlich, warum gerade dreizehn? Von einem Autor? Ein Sammelband und dererlei Dinge mehr? Tatsächlich habe ich ein Magazin geschenkt bekommen mit dem Titel „Literaturen spezial – Short Stories“. Und in dieser Zeitschrift sind dreizehn von Daniel Kehlmann ausgesuchte Kurzgeschichten unterschiedlicher Autoren abgedruckt. Neben einem schönen Vorwort von Kehlmann sind Fotos der (meist berühmten) Autoren und jeweils eine Minibiografie von rund zehn Zeilen abgedruckt. Man bekommt eine zwar sehr subjektive aber doch auch differenzierte Übersicht über die Variationsbreite der Kurzgeschichte mit ihren Möglichkeiten und Einschränkungen.

Folgendes gibt es in diesem Band zu lesen:

  • Daniel Kehlmann, Von Rätseln erzählen; über seine Auswahl von dreizehn Kurzgeschichten
  • William Faulkner, Eine Rose für Emily
  • Vladimir Nabokov, Wolke, Burg, See
  • Ernest Hemingway, Alter Mann an der Brücke
  • V.S. Naipaul, Des Nachtwärters Stundenbuch
  • Isaak Babel, Guy de Maupassant
  • Roberto Bolano, Die Reise des Álvaro Rousselot
  • Jorge Luis Borges, Der Andere
  • Heimito von Doderer, Tod einer Dame im Sommer
  • Gabriel García Marquez, Dornröschens Flugzeug
  • John Cheever, Die Schimäre
  • John Updike, Festgetretene Erde, Kirchgang, eine sterbende Katze, ein altes Auto
  • Jhumpa Lahiri, Wenn Mr. Pirzada zum Essen kam
  • David Foster Wallace, Für immer ganz oben

Mein persönlicher Favorit ist die Geschichte vom Literatur Nobelpreisträger Naipaul, die sehr skurril und witzig die Situation eines Hotelnachtwächters beschreibt, der versucht in Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen seines Chefs und den Gästen in dem nächtlichen Haus zu bestehen.
Faszinierend ist auch die Geschichte von Hemingway, der es schafft, Krieg, Leid, Einsamkeit, Verzweiflung und Wahnsinn des spanischen Bürgerkriegs auf zwei Din A 4 Seiten zu thematisieren.
Lesen sollten dieses Magazin alle, die sich bisher noch nicht weiter mit Kurzgeschichten befasst haben und einen Einblick in die Möglichkeiten und die Bandbreite von Kurzgeschichten bekommen möchten. Für Deutschlehrer und deren Schüler ist das Heft vermutlich eher nicht geeignet, da außer von Doderers Geschichte keine ursprüngliche deutsche Geschichte aufgenommen wurde.

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One Response to “Ganz kurz”

  1. Wie ich auf Deine Seite kam?
    Über google wollte ich das Herkommen des Wortes Schimäre klären, gab danach auch noch den Autor von “Die Schimäre” auf google ein. Und welch Zauberei, war ich hier gelandet.
    Wobei auch ich zuvor den selben Weg über die selbe Ausgabe der “Literaturen special” genommen hatte. Diese lag wie noch zwei andere veraltete Ausgaben als “zum kostenlosen Mitnehmen” vor einer Woche in der lokalen Stadtbücherei aus.
    Nun, ich hab es nicht bereut, denn die Zeitschriften sind sehr gut, und eine anregende Nebenbei-Nachhilfe, grad wenn man sich auf selbstschreibende Weise an einen ersten Roman traut.
    Auch weiterhin viel Spaß mit Lese-Abenteuern.

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