selbst die Verbrecher waren noch richtige Verbrecher und nicht so völlig durchgeknallte Psychpathen, wie sie heute herumlaufen. So oder so ähnlich denkt wohl Sheriff Bell, der auch mit seiner jahrelangen Erfahrung die Zusammenhänge bei einer brutalen Schießerei in der Wildnis und verschiedenen Morden nicht mehr durchschaut.
In den ganzen Schlamassel reingeraten ist auch Llewelyn Moss, ein Vietnam-Veteran, der sich als Schweißer mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Durch einen Zufall stolpert er nach der Schießerei über die Leichen und findet einen Koffer mit über 2 Millionen US Dollar. Dass er das Geld an sich nimmt, ist nicht mal so tragisch, sondern eher die Tatsache, dass seine Menschlichkeit mit ihm durchgeht: Als er dem letzten Überlebenden des Massakers Wasser bringen will und noch einmal an den Ort des Geschehens zurückkehrt, wird er dort prompt von denjenigen Leuten aufgespürt, die auch hinter dem Geld her sind. Bevor er losfährt, sagt Llewelyn noch, dass er wahrscheinlich die größte Eselei seines Lebens begeht, und man ist sehr geneigt im vollkommen zuzustimmen.
Llwelyn kann knapp entkommen und ab sofort setzt sich ein Killer auf seine Fährte, der nicht nur ein Meister seines Faches ist, sondern sich aufgrund seines Weltbildes dem gesunden menschlichen Geist vollständing entzieht. Anton Chigurgh, der Killer, erfüllt seine Aufgaben mit der stoischen Ruhe und Zuverlässigkeit einer Maschine. Er ist auf verquere Weise konsequent. Eine einmal gemachte Aussage wird dem literarischem Wortsinne nach bis zum Ende eingehalten, auch wenn das bedeutet Unschuldige und zufällige Passanten für die Erfüllung seiner Ziele und zur Aufrechterhaltung seines Ethos hinzurichten.
Sheriff Bell bleibt dem Geschehen auf der Spur, findet aber nie wirklich Zugang zu der Gedankenwelt der Gangster. So muss er schließlich in seiner Absicht, die Menschen seines County zu schützen, scheitern. Er bleibt ein Mensch der Vergangenheit. Er kommt mit dem Land, in dem er lebt, nicht mehr zurecht.


Kein Land für alte Männer

Nikolaus Stingl (Übersetzer). rowohlt 2008, Gebundene Ausgabe, 288 Seiten, € 16,00

Das Buch gibt sich spröde und distanziert. So wird die direkte Rede nicht in Anführungszeichen gesetzt, und so erscheinen die Charaktere seltsam distanziert und ein wenig nebulös. McCarthy läßt seinem Pessimismus, was die gesellschaftlichen Belange der USA angeht, freien Lauf. Es ist halt kein Land für alte Männer und diese Erkenntnis teilt der Autor offenbar mit seinen alternden Figuren.

Allerdings ist doch das lamentohaft vorgetragene “früher war alles besser” noch nie ein Ansatz zur Bewältigung der Gegenwart gewesen. Nirgenwo auf der Welt und zu keiner Zeit. Da hat McCarthy einfach unrecht.

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2 Responses to “Früher war alles besser,”

  1. Tja, das Leben kann so scheisse sein, mann muss sich nur mühe geben.
    Nikolaus Köln

  2. Lieber Nikolaus,

    normalerweise lösche ich alles, was nach Schleichwerbung in den Kommentaren aussieht. Sie kennen das bestimmt: von der Verlängerung männlicher Geschlechtsorgane bis hin zu Körpergewichtsverringerungen durch niedertibetanischen Tempeltanz wird so ziemlich alles angeboten, was ein Mensch mit einem Intelligenzquotienten jenseits eines Toastbrötchens nur schallend lachend in die Tonne kloppen mag.
    Aber ich gebe zu: ein Nikolaus Mietservice ist charmant genug, um stehen bleiben zu dürfen. Aber nur so eben …
    Na, denn viel Erfolg und wenige böse Kinder!

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