Kathrin Aehnlichs Roman “Alle sterben, auch die Löffelstöre” ist sicherlich kein Buch, das die Literaturwelt erschüttert hat oder noch erschüttern wird. Er ist einfach nur ein “kleiner” Roman über Freundschaft. Aber er hat immerhin mich ein bisschen erschüttert.
Skarlet, die Ich-Erzählerin, arbeitet in einem Zoo, der beachtliche Zucherfolge bei den Löffelstören aufweisen kann. Daher der skurrile Titel. Sonst ist nichts an diesem Buch skurril. Es ist wunderbar echt und die Menschen darin sind tröstlich glaubwürdig. Skarlet ist seit dem DDR-Kindergarten unter Tante Edeltrauts strengem Regime mit Paul befreundet. Paul war immer ein bisschen anders als die anderen, aber immer Skarlets bester Freund. Zusammen ertrugen sie pedantische Väter, abwesende Väter, gestresste Mütter, schweigende Mütter, politische Umbrüche, Scheidungen, Erfolge und Zukunftssorgen.
Aber dann wurde Paul sehr krank und starb. Und nun findet Skarlet, zu Beginn des Romans, in Pauls letztem Brief die Bitte, seine Grabrede zu halten. Sie blickt, auf der Suche nach Worten, auf das gemeinsame Leben und Pauls langes Sterben zurück.
Der Roman ist so ergreifend leise und “normal”, so authentisch und warmherzig, dass man am Ende einfach feuchte Augen hat. Weil man den Wert von Freundschaft, den Trost, der in ihr liegt, die Größe in der vermeintlichen Selbstverständlichkeit, wieder einmal begriffen hat.
Man möchte, wenn man das Buch ausgelesen hat, dringend einen guten Freund anrufen. Oder besser noch - dringend einen guten Freund besuchen gehen.
Tags: Aehnlich, Freundschaft, Tod

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