Kluftinger, Kommissar im beschaulichen Allgäu, wohnhaft in Altusried, ist genauso drauf, wie es scheint: sehr bodenständig, ein bißchen altbacken, leicht unvorteilhaft gekleidet, übergewichtig und sehr gemütlich. In sein beschauliches Leben zwischen Laienspiel und Tanzkurs platzt ein Selbstmord, den er untersuchen soll. Der junge Mann hat sich augenscheinlich auf der Flucht vor der österreichischen Polzei das Leben genommen. Bei dem Toten werden Aufzeichnungen gefunden, die auf einen Terroranschlag hindeuten. Und das nicht in München, Berlin, Hamburg oder Köln, sondern im Allgäu. Und schließlich wird er auch noch in die Taskforce des BKA berufen, die den Anschlag verhindern soll.
Ach so: es geht hier um “Laienspiel”, den letzten Kluftinger-Krimi von Volker Klüpfel und Michael Kobr.
Und der Wahnsinn beginnt: Angetrieben durch einen Count Down und der starken Vermutung, dass am Ende die Explosion einer Bombe steht, versuchen Kluftinger und die Mitglieder der Task Force die Gefahr irgendwie abzuwenden. Dass Kluftinger dabei von seinem Privatleben arg in Mitleidenschaft gezogen wird hilft der Sache auch nicht wirklich weiter. Sowohl der Tanzkurz mit Langhammers (und seinem Lieblingserzfeind Dr. Langhammer), Aufführung von Schillers “WilhelmTell” als Laienspiel (in dem er eine Sprechrolle übernimmt), seinen hinterfozzeligen Kollegen und außerdem wird er auch noch verdächtigt fremdzugehen und mit Prostituierten zu verkehren (uuhhhh, schlimm, schlimm, schlimm …). Ach der zur Task Force gehörende österreichische Kollege macht die Sache mit seinem Schmä nicht leichter.
Alles spitzt sich darauf zu, dass die Bombe während der Fußball WM in Österreich und der Schweiz in einem Stadion explodieren soll. Ob die Bombe gefunden wird und ob das schon alles war, wird hier natürlich nicht verraten.
Islamistischer Terror in einem deutschen Krimi? Geht das? - Jep, geht! Nicht ungeschickt gelöst von den beiden Autoren durch die Einführung des türkischstämmigen Leiters der BKA Task Force, Yildrim, der sich als äußerst kompetenter und menschlicher Kollege herausstellt und alleine durch seine Anwesenheit und seine Bemerkungen über Religion und Islamismus (er selbst bezeichnet sich als Agnostiker) das Abgleiten in naives Islam-Bashing verhindert.
Viel Muße zum Lesen habe ich im Moment (mal wieder, noch immer) nicht und deshalb findet lesen in der obligatorischen 1/4 Stunde vor dem Einschlafen statt. Und Klufti hat mich wachgehalten! Eine sehr launige Geschichte mit viel Charme und witzigen Figuren, die einfach Spass macht. - Nein, das ist nichts für die Ewigkeit und wahrscheinlich muss ich in einem Jahr hier nachlesen, wie es denn so war. Aber, hey, eine Woche mit guter Laune, bestens unterhalten einschlafen? Das ist es mir allemal wert.
Tags: Krimi

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