Der Weg stellt jedem nur eine Frage: “Wer bist Du?”
Dieser Satz steht am Anfang eines Buches, noch vor der Widmung und vor dem Inhaltsverzeichnis. Der gemeinte Weg ist der so genannte Jacobsweg, ein Pilgerweg, der sich über rund 800km von Frankreich nach Santiago de Compostela in Spanien zieht und den jahrein jahraus tausende Pilger aus aller Welt erwandern. Und so auch das “ich” des Titels, kein anderer als Hape Kerkeling.
“Wat? Die Flitzpiepe? Der Oberluschi der Nation? Ey, geht ja garnicht!” - mag man denken. Und so sieht er sich irgenwie auch, als er sich mit der Bemerkung
Ich bin dann mal weg!
von seinen Freunden, denen er nichts von seinem Vorhaben erzählt hatte, verabschiedet und sich auf den Weg macht. Natürlich völlig unvorbereitet.
Unterwegs führt Kerkeling akribisch Tagebuch und beschreibt seinen Weg auf eine sehr liebevolle, einfühlsame und unterhaltende Weise. Natürlich ist es anstrengend und mühselig und insbesondere am Anfang des Weges schummelt er doch ein bißchen, wenn er sich per Anhalter mitnehmen läßt oder eine Etappe per Bahn fährt und damit seinem seiner Couchpotatoe-Kondition Tribut zollt.
Und natürlich trifft er unterwegs auf alle möglichen skurile, hohle und auch sehr nette Menschen. Da gibt es zum Beispiel Schabbel und Gerd, ein deutsches Ehepaar, dass eigentlich nur ob ihres bigotten, ätzenden Gelabers bewundert werden will. Oder ein peruanisch-argentinischer (oder war es ein equatorinisch-bolivianischer?) Wunderheiler-Wahrsager. Profipilger, schlimme Pilgerherbergen, nette kleine Pensionen und viel Latte Macchiato, ohne die irgendwann kein Schritt mehr möglich scheint. Und Freunde für ’s Leben, die findet man auch.
Das Buch ist nett: man geht mit Kerkeling auf die Reise und folgt seinen manchmal melancholischen, traurigen Erkenntnissen, aber natürlich auch seinem Witz und seiner Gabe Situationen bis ins Detail auf urkomische Art zu sezieren. Und hat am Ende ein ganz kleines bißchen das Gefühl sich, wie Kerkeling auch, gefunden zu haben. (Boah, was für ein Geschwurbel! Vergesst das einfach wieder!)
Interessant finde ich, dass er augenscheinlich nach seinem Weg so eine Art Comeback im Fernsehen hinlegte. Wie hieß noch gleich die Tanzsendung? Ich fand das lustig, das hatte was.

Juli 26th, 2009 at 12:41
Hat Hape Kerkeling das Buch selbst geschrieben oder “in Zusammenarbeit” mit einem Ghostwirter? Ich würde ihm zutrauen, dass er schreiben kann. Gibt es dazu irgendwo Infos?
Juli 26th, 2009 at 22:02
Tja, ähh, nö. Zumindest gibt es keinen Hinweis auf einen Co-Autor im Buch. Außerdem basiert das Buch ja auf seinem Tagebuch, was er auf dem Weg geschrieben hat. Und das scheint mir auch glaubwürdig.
Juli 28th, 2009 at 16:12
Seine Texte als Horst Schlämmer sprechen ebenfalls dafür, dass Hape Kerkeling wohl keinen Ghostwriter nötig hat.
August 3rd, 2009 at 10:35
Ich bin mir eigentlich sicher, dass er das selber geschrieben hat. So ein Kreativling läßt sich das nicht nehmen, denke ich mal so.
August 31st, 2009 at 13:22
Mir ist dieses Buch etwas schwergefallen, muss ich ehrlich sagen. Ich fand es nicht schlecht, aber vor allem zum Schluss hin kam mir das Ganze sehr gehetzt vor. Klar, da hatte er auch Gesellschaft und schon alleine deswegen nicht mehr so viel Zeit zum Schreiben. Irgendwie hatte ich es mir trotzdem besser vorgestellt.
August 31st, 2009 at 15:01
Hallo Bärbel, ja stimmt schon: der Gute ist halt kein Literat. Aber nett fand ich es schon.