Seit einiger Zeit mal wieder was auf Englisch. Was die Sache mit einem philosophischen, Lebensentwurf vorstellenden Buch nicht wirklich leichter macht. Aber mal von vorne.
Der Autor Richard Bach ist selbst der Ich-Erzähler. Er fliegt mit einem alten Doppeldecker durch die Gegend, landet mal hier und dort und verkauft für eine Handvoll Dollar Rundflüge in seiner fliegenden Kiste. Eines Tages landet neben ihm ein weiterer Pilot mit seiner Maschine, der genau das gleich macht wie er. Dieser Mensch, Don, ist sehr merkwürdig, denn er sagt, er sei ein Messias. Und tatsächlich hat er einige “Zaubertricks” drauf. Sein Flugzeug braucht keine Wartung, muss nicht von Fliegen gereinigt werden und fliegt quasi ohne Benzin. Eigentlich hat er überhaupt keine Lust ein Messias zu sein, weil die Geschichten der Messiasse dieser Welt in der Regel damit enden, dass eine aufgebrachte Menschenmenge sie umbringen.
Richard beginnt von Don zu lernen und zu erkennen, dass die Realität wesentlich davon abhängt, was man über sie denkt. Wenn man denkt, dass das Flugzeug kein Benzin braucht, dann braucht es auch keins. Wenn man nur fest genug daran glaubt, dass Wasser fest ist, dann kann man auch darüber laufen. Alles ist Einbildung. Oder vielleicht besser: Alles ist deiner Vorstellungskraft unterworfen.
Wie man Messias werden kann, ist dem Handbuch für Messiasse nachzulesen. (Ein Handbuch für angehende Messiasse? Coole Idee!) Immer wieder werden Aussagen aus diesem Buch eingestreut. So steht auf dem Einband des Buches:
Here is a test to find wether your mission on earth is finished: If you ‘re alive, it isn’t.
Eine wesentliche Aussage des Buches ist quasi die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Don macht klar, dass es nur um zwei Dinge geht: Man ist auf der Welt um zu lernen und um Spass zu haben. Ansonsten ist man frei zu sein was man will. Auch ein Messias.
Das war mein zweiter Anlauf, das Buch zu lesen. Beim ersten mal habe ich das Buch ein wenig genervt zur Seite gelegt. Ein Buch, in dem jemand einem anderen lehrt über Wasser zu laufen? Bullshit! - Aber, wenn man das ganze als eine große Metapher auf das Leben sieht, dann beginnt es Sinn zu machen. Alles in allem ist es eine, vielleicht leicht verklausulierte, Anleitung zum Glücklichsein. Und gleichzeitig eine Warnung, dass man mit solch einer Lebensweise einer Reihe Menschen auf die Füße tritt. (Man erinnere sich an das Ende der Messiasse dieser Welt …)
Noch ein Zitat aus dem Handbuch für Messiasse?
The bond that links your true family is not one of blood, but one of respect and joy in each other’s life. Rarely do members of one family grow up under the same roof.
Mittlerweile gefällt mir das Buch gut. Viele bedenkenswerte Ansätze, viele Aha-Effekte. Allerdings muss man sich ein bißchen auf die Art und die Geschichte des Buches einlassen. - Lesen? Ach, macht doch mal. Ist nur ein schmales Büchlein (144 Seiten). Und kostet auch nur ein paar Euro.
Tags: Rezensionen, Richard Bach

Juni 29th, 2009 at 17:21
Na, das wurde aber auch Zeit, dass du das mal liest. Einzelne Teile davon können, wenn man sie geschickt auf die eigene Situation überträgt, schließlich biblischen Erweckungscharakter haben. Ich hab das kleine Buch auf jeden Fall immer als eine Art Bibel gesehen. Und es wirkt! Definitiv!
Juni 29th, 2009 at 19:19
Ich lerne noch. Messias in Ausbildung, sozusagen …