Ich mag ja Kinderbücher. Sie stecken im besten Fall voller anarchischer Energie und witziger Einfälle und im schlechtesten Fall kann man sie abends vor dem Einschlafen lesen, einfach nett. Madita von Astrid Lindgren gehört eher zur zweiteren Kategorie. Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist.
Madita, eigentlich heißt sie Margareta, lebt mit ihrer Schwester in einer wohlhabenden Familie. Es geht ihr gut, allen geht es gut. Sie hat die Gedanken und Vorstellungen eines sechsjährigen Mädchens und auch ihre kleine Schwester Lisabeth ist einfach niedlich. Soweit, so nett.
Der Nachbarsfamilie geht es nicht so gut. Der Vater trinkt und die Familie wird von dem Sohn Abbe so recht und schlecht mit Zuckerkringeln, die er backt, durchgebracht. - Konfliktstoff? Äh, nö! Die Mutter versteht ihren Mann und hilft ihm immer wieder auf die Beine, der Vater selbst trinkt zwar zu viel und vernachlässigt seine Familie, ist aber trotzdem nett und charmant und Abbe erträgt alles. Und macht auch noch ulkige Witze auf Maditas Kosten.
Alles in allem eine doch sehr weichgespülte Lebenswelt. Aber kommen wir dochmal zu den anarschischen Einfällen: So spielen Madita und Lisabet gerne Geschichten aus der Bibel nach, unter anderem auch die Josefsgeschichte. Wie, nicht bibelfest???!! Tststs, also auf jeden Fall mal nachlesen. Die Kurzform geht etwa so: Josef kann hellsehen und wird von seinem Vater den anderen (Halb-)Brüdern vorgezogen. Das finden die natürlich nicht so dolle und verkaufen ihn als Sklaven nach Ägypten, nachdem sie vorher versucht haben ihn in einer Zisterne zu ertränken (jaja, damals ging das so einfach).
Und das spielen die beiden: Lisabet ist Josef und Madita spielt die Brüder. Lisabet steigt in eine Grube, aus der sie ohne Hilfe nicht mehr herauskommt. Und weil Maditan sich noch über Lisabet geärgert hatte, läßt diese sie sitzen und stellt ein Schild auf “KLEINER SCHÖNER SKLAFE ZU FERKAUFEN” und geht davon. Kurze Zeit später bekommt sie Gewissensbisse und kehrt reumütig zurück. Nur: ihre Schwester ist nicht mehr da. Dafür steht dort eine Ergänzung auf dem Schild:
DIESEN SKLAVEN HABE ICH FÜR FÜNF ÖRE GEKAUFT. MUSTAFA AL AKMAR, SKLAVENHÄNDLER
Uuups, also so war das ja nun nicht gemeint. Diese Schurken, denkt Madita,und das für lumpige fünf Öre. - Aber natürlich klärt sich alles auf; allerdings muss Madita bis dahin noch ein bißchen bibbern und grämen ob ihrer Schlechtigkeit.
Ein leichtes nettes Buch, was immer wieder zum Schmunzeln einläd und auch den einen oder anderen Lacher bereithält. Gut zum Abschalten und Runterkommen. In diesem Sinne: Gute Nacht!
Tags: Astrid Lindgren, Kinderbuch, Rezension

August 28th, 2009 at 10:13
MADITA ist ganz zauberhaft und macht selbst Erwachsenen-Herzen angenehm warm