Lustig, der Titel, gell? - Habe ich mir auch gedacht, nachdem ich festgestellt hatte, dass dieses Buch von Richard David Precht seit Monaten in den Sachbuch - Bestsellerlisten ganz oben rangiert. Nun vertraue ich Bestsellerlisten nicht blind, sondern versuche noch andere, nach Möglichkeit kompetente, Quellen hinzuzuziehen. Was ich dann auch getan habe: alle positiv! Und jetzt habe ich es endlich gelesen. -

Philosophische Bücher, Lebenshilfe-Bücher gibt es ja wie Sand am Meer. An den Lebenshilfe-Büchern hat man sich sehr schnell satt gelesen. Ob es nun “Die Maulwurfstrategie”, “Glücklichwerden durch Tempeltanz” oder “Sorge Dich nicht! Verprasse Dein Geld!”, alles der gleiche Mummpitz und schnell wieder vergessen. Bücher über Philosophie haben durchaus ihren Reiz, wenn sie nett geschrieben sind und/oder interessante Aspekte des Themas aufgreifen. Und dieses Buch bietet noch viel mehr!
Prechts Ansatz ist folgender: Er stellt sich die großen Fragen der Philosophie (Was ist Wahrheit? Woher kommen wir? Was ist mein Unterbewusstsein? Was ist Sprache? Wie sollen wir mit Tieren umgehen? Was darf die Hirnforschung? Darf man Menschen töten? Gibt es Gott? Was ist Freiheit? Hat das Leben einen Sinn? - Nur, um mal einen groben Querschnitt zu nennen …) und versucht Antworten zu finden, und zwar dadurch, dass er alle zur Zeit verfügbaren Informationen und Erkenntnisse der Wissenschaften, insbesondere der Hirnforschung mit einbezieht. Diese wägt er gegen die traditionellen Vorstellungen der Religionen und der Philosophie ab und kommt dabei immer wieder zu bemerkenswerten Erkenntnissen, die unsere Vorstellungen von der Welt ein bißchen auf den Kopf stellen. Und das alles ungemein unterhaltsam, lehrreich (natürlich gibt es immer auch eine Einführung in die philosophische Denkrichtung samt ihren Protagonisten, die zu den einzelnen Themen was sagen können) und anregend.
Also, wie ist das nun, sagen wir mal, mit dem freien Willen? Gibt es sowas? - So spontan würde man sagen: ja, klar! Habe ich doch, den freien Willen! - Aber so richtig scheint das nicht zu stimmen; denn wenn man mit den aktuellen Hirnforschungen glauben mag, dann ist die Entscheidung, etwas zu tun, einen Bruchteil einer Sekunde vor dem Zeitpunkt gefallen, an dem wir uns dieser Entscheidung bewußt werden.
Oder darf man Tiere töten, um sie mit Haut und Haaren zu essen? Nun, man stelle sich vor, ultraintelligente Außerirdische überfallen die Erde und versklaven die Menschen, um sie zu essen. Aha, geht garnicht?? Oder was, oder wie?? Das dürfen die nicht, weil wir ja empfindungsfähige, intelligente Wesen sind??? - So, so, und wie ist das nun mit den Kühen, oder noch besser mit Schimpansen, die in Teilen Afrikas als Delikatesse gelten? Ist das Töten eines Fisches besser, ethischer, moralischer, anders als das Töten eines Huhns? Fragen über Fragen und auf manche gibt es auch einfach (noch) keine Antwort und wird sie wohl auch nie geben (”Gibt es einen Gott?”)

Intelligente Unterhaltung auf höchsten Niveau. Selbst wenn man sich all diese Fragen noch nicht gestellt hat (was ich jetzt eigentlich nicht glaube …), dann ist das immer noch locker flockig geschriebene Unterhaltung.


Wer bin ich - und wenn ja wie viele?

Richard David Precht. Goldmann HC 2007, Taschenbuch, 400 Seiten, € 11,50

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