Das ist doch das, von dem alle Hobbyautoren so träumen: man sendet ein Manuskript an einen Verlag und kurze Zeit später hat man nicht nur den Vertrag in den Händen, sondern wird auch als DIE Newcomerin des Herbstes gehandelt. Allerdings war es nicht ganz so, wie sie in einem Interview im Literaturcafe erzählt.
Aber worum geht es: Sascha ist Rußlanddeutsche, 17 Jahre alt und lebt in der Nähe von Frankfurt in einer Hochhaussiedlung, dem Scherbenpark. Und sie hat in ihrem Leben nur zwei Träume: ein Buch über ihre Mutter schreiben und Vadim töten.
Mit unbändiger Energie geht sie durch ihr Leben und sinnt auf Rache für den Mord an ihre Mutter und ihren Lebensgefährten, begannen durch jenen besagten Vadim. Sascha ist schlau, vermutlich die einzige in der Siedlung, die akzentfrei Deutsch spricht und auf einem katholischen Elitegymnasium aufgenommen wurde. “Damit sie dort ein bißchen Integration üben können!” wie sich Sascha denkt. Mit Sascha ist nicht gut Kirschen essen, dass muss auch Maria, Vadims Cousine zweiten Grades “mit drei berstenden Koffern importiert aus Nowsibirsk” immer erfahren, die doch nur gekommen ist um den drei Kinder so eine Art Mutter zu sein und das auf sehr liebe Art auch (irgendwie) schafft.
Eines Tages ließt sie einen Zeitungsartikel über Vadim im Gefängnis, dem alles leid täte und der doch so unsagbar traurig sei. Und das kann Sascha ja nun überhaupt nicht ab! Vadim, der die Familie schikaniert hat, der die Kinder geschlagen, Sascha sexuell bedrängt und die Mutter unter Druck gesetzt hat: sie stellt die Redakteurin zur Rede und lernt den Ressortleiter der Zeitung kennen.
Die Geschichte bricht auf: Sascha lernt Freundschaft, Zuneigung, Familie und auch so etwas wie eine (leicht fehlgeleitete) Liebe kenne. In der sich ergebenden Dreiecksbeziehung zwischen Volker (dem Ressortleiter) und seinem Sohn Felix droht Saschas brüchiges Seelengerüst endgültig zu zerbrechen.
Alina Bronsky läßt Sascha mit überschäumender Kraft und Wut durch ihre Welt laufen und lässt das Mögliche und Unmögliche auf sie einprasseln. Sascha reagiert mit allen Gefühlen, die sich in Energie entladen können: Stolz, Wut, Hass, Liebe. Bis zum Schluss kämpft die Protagonistin um ihre Position in ihrer Welt und der zerstörten Familie.
Ein starker Roman, der es schafft, dass die Energie der Heldin auf den Leser überspringt. Am Ende fühlt man sich stark, kämpferisch und nicht unterzukriegen. Toll, wenn das ein Buch schaffen kann! - Für alle, die eine 17jährige Heldin akzeptieren können ein klares Muss. Für alle anderen auch.
Tags: Alina Bronsky, Rezensionen

Januar 8th, 2009 at 19:05
“Du hast deine Hölle, ich habe meine”: Ein notwendiges Buch für unsere Migrationsgesellschaft mit so vielen parallelen Welten: http://www.lesenblog.de/2008/09/04/bronsky/
Herzliche Grüße
Joachim