Es war ein schöner entspannter Tag. Wir waren schwimmen und genossen ausgelassen das schöne Wetter. Als die Badezeit zu Ende ging waren alle ob der Tatsache, dass sich der Tag nun dem Ende zu neigte, in einer heiter melancholischen Stimmung . Man verabredete noch zu McDonalds zu gehen, auch wenn wir das dort Angebotene nicht wirklich als Nahrung bezeichnen wollten. Sei’s drum.

Die Fastfood Filiale lag nur zwei Steinwürfe vom Schwimmbad entfernt und wir entschlossen uns den ca. 500 Meter langen Fußweg mit allen Taschen zu gehen. Der Weg war mit Verbundstein einheitlich gepflastert und führte auf seiner gesamten Länge leicht abschüssig in seiner Mitte zu einem Gullischacht, der durch ein bequem zu begehendes Gitter abgedeckt war.

Einige hundert Meter entfernt bemerkten wir einen Mann, der in gebückter Haltung sehr langsam den Gullischacht abschritt. Es war auf der Entfernung nicht genau auszumachen, was er dort machte. Erst nachdem wir uns ein wenig genähert hatten, konnte man erkennen, dass er alle paar Meter stehen blieb und mit einem dünnen Stock durch das Gitter langte und in dem Gulliuntergrund herumstocherte. Nun mochte er wohl etwas verloren haben, einen Schlüssel vielleicht, was aber nicht erklärte, warum er in kleinen Schritten sich langsam vorwärts bewegte.

Der Mann schien etwas heruntergekommen, ein ungepflegter grauer Bart zottelte in seinem Gesicht, das von Sonne, Wind und Regen gegerbt schien. Seine Kleidung war sauber, hatte aber schon bessere Zeiten gesehen, geflickt und fadenscheinig. An der Spitze des Stockes hatte er einen alten Kaugummi befestigt.

Unser Gespräch erstarb und neugierig beobachteten wir sein Tun, wie er, ohne uns eines Blickes zu würdigen, weiter mit dem Stock stocherte. Wir schauten ein paar Sekunden zu lang, um es noch irgendwie als höflich ansehen zu können, einfach weiterzugehen und den Mann Mann sein zu lassen. Also sprach ich ihn an.

“Entschuldigen Sie bitte die Störung. Wir haben bemerkt, dass Sie bereits den ganzen Weg entlang mit ihrem Stock den Gulli absuchen. Haben Sie etwas verloren, oder suchen Sie etwas?”

Der Mann schaute hoch. Aus seinem Blick sprach der Unwille Auskunft über sein Tun geben zu müssen.

“Münzen …” murmelte er.

Das Bild löste sich auf! Die Erkenntnis, die bereits im Kopf schlummerte, brach sich einen Weg in’s Bewusstsein …!

Mit einem Griff in meine Hosentasche zog ich an Münzen heraus, was ich greifen konnte.

“Darf ich Ihnen meine geben?” fragte ich und drückte dem Mann mein Kleingeld in die zögerlich aufgehaltene Hand. Sein “Danke …” war mehr zu erahnen als zu hören.

“Ich wünsche Ihnen einen guten Tag und noch viel Erfolg …!”

Ich wußte nicht, ob das eine angemessene Verabschiedung war. Ich  zog mich auf das zurück, was ich als “höflich” gelernt hatte und hoffte, ihn damit nicht zu sehr brüskiert zu haben.

Wir gingen weiter und zwei Minuten sprachen wir nicht. Bis die Kleine schließlich meinte: “Forsch, Du bist schon ein Netter …”

Ich fand das irgendwie garnicht, habe aber auch nicht widersprochen.

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