Schriepp, schriepp, schriiiep, schriep! Schriep, schriep, schriiiep, schripschripschrip!
Oh, eine Amsel! Na, die macht aber ein Spektakel … Kleiner Piepmatz, wie süß.
Schrippschripp, schriep, schriep, schrieepschrieep, schriep!
Hm, ist das kleine Ding etwa auf der Suche nach einer Henne? Aber dafür ist es ja eigentlich zu spät im Jahr.
Schriepp, schriepp, schriiiep, schriep, schrippeschriepschriepschriiep!
Nein, guck mal! Der kleine sitzt auf der Wiese. Ah, ja, tatsächlich ein Hahn. Ganz schwarz.
Schriep, schriep, schriiiep, schripschripschrip! Schrippschripp, schriep, schriep, schrieepschrieep, schriep!
Himmel! Was macht der denn da? Geht es ihm nicht gut?
Schrieeep, schrip, schrip, schriiiep! Schrippedischrippschrippschripp!
Ne, der sieht ganz propper aus. Hüpft auf und ab. Wie komisch …
Schriepp, schriepp, schriiiep, schriep! Schrieeepp!
Ach, guck mal! Der Kater sitzt da! Wie interessant.
Schriep, schriep, schriiiep, schripschripschrip! Schrippschripp, schriep!
Der versucht doch tatsächlich die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Schrieeep, schrip, schrip, schriiiep! Schrippedischrippschripp! Schriep!
Wie? Will der kleine Kerl jetzt gefressen werden? Amselsuizid?
Schriepp, schriepp, schriiiep! Schrieeeepschrippschripp!
Ich glaube, es hat aufgehört. Hat der Kater den kleinen jetzt erwischt? Neee, einen erwachsenen Vogel? Nicht der Kater, nein! Haha. Ah, das sitzt er ja.
Schriepp, schriepp, schriiiep, schriep! Schrieeepp! Schriiieep!
Aha! Jetzt ist es die Katze. Na, toll! Mach’ mal das Fenster zu, das wird jetzt echt nervig.
Schriep, schriep, schriiiep, schripschripschrip! Schrippschripp, schriep!
Warum macht der Vogel das denn nur? Der bietet sich ja quasi zum Fressen an.
Schriep, schriep, schriiiep, schripschripschrip! Schrippschripp, schriep, schriep!
Ey, der schützt sein Nest! Er bietet sich als Fraß an, um seine Brut zu schützen!
Schriep, schriep, schriiiep, schripschripschrip! Schrippschripp, schriep!
Was für ein tapferes kleines Kerlchen! So’n kleiner Vogel! Da kannste mal sehen!
Schrippschripp, schriep, schriep, schrieepschrieep, schriep!
Da können sich aber manche Menschen eine Scheibe von abschneiden! Aber Hallo!
Schriepp, schriepp, schriiiep, schriep! Schrieeepp! Schriiieep!
Merkt der Kleine eigentlich nicht, dass unsere Racker harmlos sind? Mann, ist das nervig!
Schriepp, schriepp, schriiiep, schriep! Schrieeepp! Schriiieep!
Ey, jetzt reicht es aber! Kann man den denn nicht vertreiben? Soll sich doch auf das Nest setzen!
Schriep, schriep, schriiiep, schripschripschrip! Schriiieepp!
HALLO! Ist GUUUT jetzt!
Schriiiep, schripschripschrip! Schrippschripp, schriep, schriep, schrieepschrieep!
Aus! Aus! Aus! AAAUUUUSSSS!
Schrippschripp, schriep, schriep, schrieepschrieep, schriep!
LOS, KATER! HOL’ DIR DAS BIEST! JA! LOS! EIN SPRUNG! KOMM SCHON! DU SCHAFFST DAS! AAAaaahhh, daneben!
Schriepp, schriepp, schriiiep, schriep! Schrieeepp! Schriiieep! Schriepp, schriepp, schriiiep, schriep! Schrieeepp! Schriiieep!
Nicht vorbeifahrende Autos und die Geräusche der Menschen, sondern Deine Schritte geben den Rhythmus des Lebens vor. Der Weg wird mehr und mehr ertastet und erahnt, statt gesehen. Weiche Baumtriebe begrüßen Dich, streicheln durch Dein Gesicht und hinterlassen Tagesfeuchte. Das Dammwild schaut Dir träge hinterher, nur kurz aus Damwildträumen erwacht. Glühwürmchen blitzen erschreckt auf, bemerken Deine Friedfertigkeit und verschwinden im Dunkeln. Die Tagesschwüle versenkt sich in Dein T-Shirt und hinterlässt erfrischende Kühle. Wind, Tropfen auf Blätter und Rascheln im Unterholz bilden einen Rahmen. Der Springbrunnen ist aus, das Wasser ruht wie die Enten auf der Wiese. Farben treten zurück, Schemen begrüßen Dich langsam.
Gedanken des Tages ziehen durch Deinen Kopf wie eine ungeordnete Karawane. Manche scheren aus und lächeln Dir zu, andere beförderst Du mit einem Tritt zurück in die Reihe. Die Müdigkeit, die Dich soeben noch an die Couch fesselte, hat sich schmollend zurückgezogen. Das Leben ist da und schaut Dir lächelnd hinterher.
Viele Lebenshilfebüche sind geschrieben worden. Titel wie “Erkenne Dich selbst”, “Mein wahres Ich” oder “Wer bin ich?” sollen glauben machen, dass mit dem Durchlesen eines solchen Buches die Persönlichkeit der Lesenden aufgedeckt werden kann. Und mit dem Wissen um die eigene Persönlichkeit soll man dann, frei von allen Selbstzweifeln, gestärkt und selbstbewußt durch das Leben gehen.
Das ist natürlich nicht nur harmloser Unsinn, sondern gefährliche Psychomanipulation. So konnte es nicht weitergehen und so habe ich den Menschen, ihrem innersten Ich, in langwierigen Untersuchungen nachgespürt und meine Ergebnisse in Form einer Promotion zum Dr. hc mult. pro.krast. Psych. zusammengefasst. Um es in einem Satz auszudrücken:
Es gibt Katzen- und Hundemenschen!
Aber von vorn: es ist ja schon fast eine Binsenweisheit, dass Menschen westlicher Kulturen entweder eher Hunde oder eher Katzen mögen. Und tatsächlich konnten meine Vorschungen zeigen, dass Präferenz für das eine oder andere Haustier einhergeht mit spezifischen Charaktereigenschaften. Insbesondere Eigenschaften, die entweder eher Katzen bzw. Hunden zugeschrieben wird. Dabei geht es nicht um Vorlieben für Kleidung, Essen, Farben und so weiter. Sondern es geht um das Verhalten in sozialen Gruppen wie Familie, Arbeitsgruppen, Freundeskreis usw. Man kann also zwei Hundemenschen nicht an irgendwelchen Äußerlichkeiten erkennen, man muss sie in einer sozialen Interaktion, am besten über einen längeren Zeitraum, beobachten und analysieren.
Selbstverständlich gibt so gut wie nie reine Phänotypen. Vermutlich kann man reine Hunde- bzw. Katzenmenschen als sozial gestört bezeichnen. Ein Hundemensch hat also i.d.R. Katzenanteile in sich. Allerdings sind mir auch noch nie Kanarienvögelmenschen oder Wedernochwasweißdennichmenschen begegnet.
Meine Untersuchungen haben darüber hinaus Anhaltspunkte für funktionierende soziale Gruppen aufgezeigt. So ist festzuhalten, dass Gruppen am besten funktionieren, wenn ausgewogen Hunde- und Katzenanteile in ihr Vorhanden sind. Das lässt sich auch auf Partnerschaften und Liebesbeziehungen übertragen. Zwei Katzen und zwei Hunde können nicht miteinander. Hund und Katze aber sehr wohl.
Hundemenschen
Menschen mit Hundecharakter sind sehr verträgliche, stets auf Ausgleich und Kompromiss bedachte Typen. Harmonie ist ihnen wichtig, einem Streit gehen sie auch mal aus dem Weg, wenn sie der Ansicht sind, mit einem Streit nicht weiterzukommen. Sie sind liebevolle und fürsorgliche Partner, aber manchmal auch ein bißchen langweilig.
Im Berufsleben findet man Hundemenschen bei den guten Teamplayern und wenn ein Chef ein Hundemensch ist, dann wird er einen kooperativen Führungsstil bevorzugen. Hunde bieten von sich aus Unterstützung an und verstehen nicht, warum andere das nicht ebenso tun. Menschen dieses Types arbeiten am besten, wenn sie klare Vorgaben und einen festen Rahmen für ihre Arbeit haben.
Hundemenschen sind immer für ihre Freunde dar und sind immer zur Stelle, wenn man sie braucht. Das macht sie anfällig dafür ausgenutzt zu werden. Sie spielen sich nicht auf, sondern sind darauf bedacht, dass alle ihren Anteil bekommen. Sie melden sich reglemäßig und halten den Kontakt. Manchmal halten sie auch einen Freundeskreis zusammen.
Katzenmenschen
Der Katzencharakter ist auf seine Selbstständigkeit bedacht. Das betrifft im wesentlichen wieder seine soziale Person. Katzenmenschen können aber z.B. durchaus auch als abhängig Angestellte arbeiten.
In Partnerschaften versuchen sie ihre Ansichten deutlich zu machen und durchzusetzen. Sie scheuen auch nicht vor Konflikten zurück. In starken Ausprägungen fliegt dann auch schon mal das Geschirr. Sie treiben eine Beziehung voran und bringen das “Neue” und die “Ideen” mit. Das kann alle Aspekte der Beziehung betreffen. Regelungen sind für sie flexibel: wenn einmal geklärt wurde, wer den Müll rausbringt, dann muss das nicht immer so sein. Sprechen aus ihrer Sicht mal
Argumente dagegen, dann wird eine Regelung flexibel gehandhabt und es wird dann halt alternativ das Wohnzimmer aufgeräumt.
Im Berufsleben sind Katzen oftmals Experten auf engen Fachgebieten. Im Team sind sie auf die Durchsetzung ihrer Ansichten bedacht. Fachlich und persönlich kompentente Katzen können eine Arbeitsgruppe damit sehr gut voranbringen.
Katzen als Chefs sind gute Visionäre, sie haben immer interessante Vorstellungen davon, wie sich etwas noch besser machen läßt. Manchmal fehlt aber die klare Linie in den Anweisungen.
Katzenmenschen bereichern ihren Freundeskreis durch ihre ausgefallenen Hobbys und die interessanten Anekdoten. Sie sind gern gesehener Gast auf allen Partys, auch wenn sie manchmal den Gurkensalat nicht mitgringen, den sie eigentlich versprochen hatten.
Und? Haben Sie sich wiedererkannt? Wenn Sie sich noch nicht sicher sind, zu welchem Grundtyp Sie gehören, dann machen Sie doch einfach mal den forsch-ultimativen Hunde-Katzen-Psychotest.
Oder fragen Sie sich doch einfach mal, welches Haustier sie sympathischer finden, lieber haben, sich eher anschaffen würden: Hund oder Katze? Sehen Sie: so einfach ist das!
Und beim nächsten Date lautet die erste Frage dann nicht: “Und welche Hobbys haben Sie so?” Sondern: “Hund oder Katze?”
Eine Bemerkung zum Schluss: die Idee, dass Menschen sich als Hunde- und Katzentypen charakterisieren lassen, stammt von einem alten Freund. Wenn er hier mitliest, wird er wissen, dass er gemeint ist. Alles andere ist von mir.
Tags: Hunde, Katzen, Psychologie
Was ist los? Ist der Forsch jetzt verrückt geworden? - Oh, nein, mitnichten! Dies sind die Titel der posthum erschienenen Krimi- Trilogie von Stieg Larsson, einem schwedischen Autor, der kurz vor Veröffentlichung der Reihe an einem Herzinfarkt verstorben ist. Alle drei Bände stehen auf den Bestsellerlisten ganz oben und da ich mal wieder was Nettes, Seichtes und Unterhaltsames lesen wollte, habe ich mich mal an Band 1, Verblendung, gewagt.
Mikael Blomquist ist investigativer Journalist bei einem kleinen Magazin, der … aber wisst Ihr was? Ich habe gar keine Lust jetzt die ganze Geschichte zu erzählen. Das ist nämlich im Internet schon mehrere dutzendmal geschehen. Viel wichtiger finde ich eigentlich etwas ganz anderes, nämlich die Tatsache, dass ich selten eine solch hervorragend konstruierte Geschichte gelesen habe. Alle Details passen zueinander, nirgendwo springt ein “Kai aus der Kiste” hervor, der mal eben einen achsodummen Zufall hervorzaubert und den Täter überführt. Nein, man muss den Charakteren schon Stück für Stück bei den Recherchen, Ermittlungen, Gedanken und Verirrungen folgen. Und das gilt für alle drei Bände, die man vermutlich wirklich hintereinander lesen sollte, da die Geschichte nahtlos aufeinander aufbaut und sich ergänzt.
Vor ein paar Tagen hat der Job wieder zugeschlagen und wird mir in den nächsten Monaten einen schlafarme Zeit bescheren, allerdings hat mich das nicht davon abhalten können, bis in die Nacht zu lesen. Tagelang. - Und, hey, ich habe es geschafft und bin sehr froh jetzt wieder ein paar Stunden Schlaf zu bekommen (verdammter Stieg Larsson …! ;-)) Und das gilt auch für Band 2, Verdammnis, in dem es richtig abgeht und Band 3, Vergebung, in der alles eine spannende Auflösung findet.
Hmm, vermutlich kann man Band 1 lesen ohne Band 2 und 3 lesen zu müssen. Die Geschichte ist am Ende des ersten Buches abgeschlossen und man kann (z.B. bei Nichtgefallen) einfach aufhören. Allerdings verpasst Ihr dann was.
Ein, na, sagen wir eineinhalb störende Elemente habe ich dann doch noch: Eins kann ich nicht verraten, das würde eine spannende Szene zerstören. Das andere ist die Darstellung von Lisbeth Salander, der zweiten Hauptfigur, als quasi allmächtige Hackerin mit konspirativen Verbindungen in alle Welt. Man muss schon ein bißchen Phantasie walten lassen, um ihr bei ihren Computereskapaden zu folgen. Nicht gut, wenn man in der Branche arbeitet. Allerdings auch nicht so übel, dass es nicht in der einen oder anderen Form möglich wäre …
Wer mir (diskret) schreibt, was wohl die andere Sache sein könnte, die mich gestört hat (und richtig liegt), dem spendiere ich einen Kaffee.
Fazit: Insgesamt rund 2000 Seiten gut gemachte, spannende und packende Krimiunterhaltung, die man nicht mehr aus der Hand legen kann. Und am Ende möchte man auch irgendwie Mikael “Kalle” Blomquist sein.
Tags: Krimi, Stieg Larsson
Gegenüber gibt es eine Arztpraxis, eine Gemeinschaftspraxis mit einigen Angestellten. Auch eine behinderte junge Frau arbeitet dort, Multiple Sklerose, so wird unter vorgehaltener Hand gemunkelt. Selber fragen würde man natürlich nie, man kennt sich ja garnicht und überhaupt: wie peinlich wäre das denn: “Hallo, haben Sie Multiple Sklerose? - Nicht? Ach, Kinderlähmung! Jaja, kenn’ ich, schlimm, schlimm!!”
Leicht versetzt vor der Praxis und damit direkt vor unserer Haustür hat man der Dame einen Behindertenparkplatz zur Verfügung gestellt. Das ist natürlich völlig richtig so. Wenn dieser Parkplatz nicht so direkt vor unserer Tür wäre, als qua Location uns gehörte. So, irgendwie halt … Aber, hey, da läßt man natürlich die Finger von! Weil man natürlich einsieht, dass dieser arme Mensch, für den der Parkplatz vorgesehen ist, ein Anrecht auf diesen Platz hat. Quasi per Verordnung. Also, mit Knöllchen und abgeschleppt werden hat das garnichts zu tun! … direkt vor der Haustür.
Nur warum parkt eigentlich der Nachbar abends da immer? Der ist doch garnicht behindert, oder ist mir da was entgangen? Neee! - Morgens steht da immer ein 3er BMW Cabrio. Das gehört aber nicht dem Nachbarn. Das ist schon alles sehr seltsam …
“Herr Wilmer, wenn se mal nen kleinen Tipp wollen: Die steht da nur bis 3 Uhr Nachmittags mit dem Auto rum. Die arbeitet da vorne und der Parkplatz ist nur für die tägliche Arbeitszeit. Könnse Nachmittags parken, nur morgens muss halt das Auto wieder weg sein! Und am Wochenende gilt das auch nicht.”
“Oh! Ach! Wie praktisch!” Und so parke ich denn bei Gelegenheit abends mein Auto da, aber eigentlich auch wieder nur dann, wenn ich den festen Vorsatz habe, quasi sofort wieder wegzufahren. Nicht, dass das noch Ärger gibt!
Monate vergehen.
Sonntag Abend. “Schatz, fährst Du mich morgen zum Flughafen?” Ein lieber Blick von meinerLiebe gepaart mit einem tollen Augenaufschlag. Morgen fliegt sie mit einer Freundin in einen Mädels-Sightseeing-Kurzurlaub und mag nicht die horrenden Parkgebühren am Flughafen bezahlen.
“Klar! Nehmen wir morgen einfach dein Auto, dann kommt das auch pünktlich von dem Parkplatz da drüben weg. Kann ja dann heute Nacht einfach stehen bleiben!” Hach, ich bin aber auch nett!
“Prima!”
Matte, teigige Schwere wird zerschnitten durch eine fröhliche Stimme. “… Arbeitslosenzahlen im letzten Monat leicht gest…” Bääämssss!! Snooze-Taste! Nur noch 5 Minu … “…got you, babe! I got you, Babe!” Klick! Aus! Woher kenne ich das Lied? Ächz, egal, viel zu früh. 5:30 Uhr ist eine Uhrzeit die verboten werde sollte. Die nächsten 20 Minuten bin ich eh rückenmarkgesteuert. Eine Reflexmaschine quasi. Auch meineLiebe wringt sich aus dem Bett. Runter gehen. Kaffee kochen. Hat eigentlich schon jemand da draußen die Kulissen aufgebaut? Ah, tatsächlich, die Welt steht. Muss wohl die Nachtschicht noch gemacht haben.
Tasche in’s Auto. Immer noch nicht wach. An die ersten 50 Kilometer der Fahrt habe ich nur rudimentäre Erinnerungen. Braves kleines Auto! Fährt quasi von selbst, mein kleiner Dude. MeineLiebe guckt immer noch glasig nach vorn. Ob sie weiß, wo sie ist? “Schatz? Alles klar? Wir sind gleich da!” “Brrfffzz!” Oh, das kann ja lustig werden, wenn sie erst im Flieger aufwacht.
MeineLiebe habe ich dann an eine leicht aufgekratzte Freundin übergeben. Boah, hat die heute morgen Kaffeepulver geschnieft? Kuss! Viel Spass! Noch ein Kuss! Und noch ein Kuss, der … aber lassen wir das. Wieder zu Hause läuft mein Gehirn auf 50%. Das reicht um das Auto um die Ecke zu parken. Wegen des Knöllchens, gell.
Den ganzen Tag habe ich diese unglaublich unchristliche Aufstehzeit in den Knochen. Irgendwie habe ich sogar gearbeitet. Vor die Tür bin ich nicht gegangen, um Gottes Willen. Da war ja dieses - Luft! Man kennt das ja: Sauerstoffschock! Sowas konnte ich ja garnicht gebrauchen!
Am nächsten Morgen ging es schon besser. SMS von meinerLiebe, alles gut gelaufen, gut angekommen, ganz liebe Grüße, gehen jetzt Bummeln. Irgendwas so gegen kurz vor 9: Türklingel. Oh, der Postbote? Der ist aber früh heute morgen. Dackel zur Tür. Die Nachbarin!!
“Morgen, Herr Wilmer, äh, also, ich weiß ja nicht, ob ich das jetzt soll, und ich will ja garnicht stören, aber ist das da vorne ihr Auto? Ich glaub, das wird gerade abgeschleppt …!”
“… - …???” Wenn man in dem Moment ein Foto von meinem Gesicht gemacht hätte … “Äh, das ist, das kann, dass muss …” Logiksynapsen schalteten sich quer und dockten am Kausalzusammenhangszentrum an. Das wäre ein Superbild im Kernspintomographen geworden. Auto? Wessen Auto? Mein Auto steht um die Ecke! Das Auto, was da steht, gehört … MEINERLIEBE!! Scheiße! Jaaaaa, verdammt! Steht das Ding da jetzt wirklich seit fast zwei Tagen rum?
Nach draußen sprintend renne ich die Nachbarin noch über den Haufen. Ohhh, böööse Miene bei zwei Politessen. Jajajaja, fahr ich sofort weg! Nur schnell Schlüssel holen! Abschleppwagen schon bestellt? Bittebitte abbestellen! Sprint rein, Sprint raus! Wagen weg! Parkplatz frei! - Unter dem Scheibenwischer ein Zettel:
Liebe(r) Autofahrer(in),
Sie parken auf meinem Parkplatz. Möchten Sie auch meine Behinderung haben?
Bumms, Hammer in den Nacken. Scheiße, na hoffentlich gibt das ein saftiges Knöllchen, hab’ ich ja wohl verdient. Das Knöllchen kann man bezahlen, aber das Karmadefizit ….!!! Gut, dass die junge Dame aus der Arztpraxis nicht zu sehen war, hätte nicht gewußt, wie ich vor ihr hätte kriechen sollen.
Vom Arbeitszimmer kann ich direkt auf den Parkplatz schauen. Jeden Morgen kommt sie mit dem 3er BMW und quält sich, mit der einen Hand auf eine Krücke gestützt mit der anderen an Autos und Wand entlang hangelnd zu ihrem Arbeitsplatz, mich ständig an mein Karma erinnernd. Das hüfthohe Tor einer Einfahrt auf der gegenüberliegenden Seite nutzt sie als Reeling, um sich vorwärts zu kämpfen. -
Das Tor ist auf! Sie kommt nicht weiter! Guckt sich um! - Jetzt oder nie: Sprint raus!
“Guten Morgen! Kann ich ihnen behilflich sein?” Karmakarmakarma …
“Ohhh, vielen Dank! Wie freundlich! Sind sie jetzt extra meinetwegen … also das wäre doch nicht …!”
“Doch, doch, kein Thema, sitze ja da direkt hinter dem Fenster!” Karmakarmakarma …
Sie hakt sich unter und ich geleite sie die drei Meter am Tor vorbei.
“So, von hier aus geht es wieder. Danke schön!”
“Soll ich nicht noch eben … bis zur Tür?” Bittebitte, noch ein bißchen Defizit abbauen …
“Nein, nein, sehr lieb von ihnen, aber das muss ich schon alleine schaffen! Vielen Dank und einen schönen Tag!”
“Keine Ursache! Ihnen auch schönen Tag …!”
Ich habe ihr nicht gesagt, dass ich der Parkplatzidiot war. Wahrscheinlich hätte sie mir noch verziehen.
Tags: Behinderung, Karma
Da habe ich also von meiner Liebe mal wieder ein Buch in die Hand gedrückt bekommen. Und da sie beim Lesen mehrmals vor albernen Kichern nicht weiterlesen konnte, war ich positiv gespannt. Nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen mit Siegfried Lenz.
Und ich wurde nicht enttäuscht: Lenz beschreibt Reiseerfahrungen, in denen er ein bißchen wie ein Zaungast von außen, leicht distanziert, doch genau beobachtend die herzliche Fremde mit feinen Humor bescheibt. Man wird selbst zum Zaungast, der Lenz dabei in skurilen, lustigen, herzlichen und befremdenden Situationen beobachten kann. Man begleitet Lenz auf eine jütländische Kaffeetafel, zu der er samt Gattin eingeladen ist, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das sehr bedrohliche Züge annehmen kann. Etwas befremdlich wird es auf einer Rinderfarm in den USA: das “Brennen der Rinder” ist für die Cowboys, die ihn alle irgendwie an Filmhelden erinnern, alltägliche Arbeit, für ihn spürbar unangenehm. Wunderbar herzlich und warm ist es in einer kleine Taverne irgendwo in der Nähe von Valencia, in der ihn die Gemeinschaft der Taverne mit all ihren warmen und skurrilen Gestalten aufnimmt und an ihrem Leben teilhaben lässt.
Ein echtes Highlight ist die finnische Schwitzzeremonie: der Autor wird von seinem Gastgeber zu einem Saunagang eingeladen und natürlich stellt er sich, den Beschreibungen seines Gastgebers entsprechend, ein in Luxus schwelgendes römisches Bad vor, in dem man wunderbar entspannend bei anregenden Gesprächen auf Liegen ruht. Es kommt ganz anders:
Irgendwo in einem Waldstück steht eine usselige, heruntergekommene Hütte, die Sauna. Lenz ist mit verschiedenen sehr gesitteten Herren, allesamt Geschäftspartner und eigentlich nicht sonderlich vertraut, dort. Die Herren beginnen sich, alle sehr höflich benehmend, auszuziehen. Man geht in die Sauna, die etwa die Temperatur der Hölle hat und der nach einiger Zeit bittet der Gastgeber Lenz mit Birkenzweigen auszupeitschen und dabei kräftig zuzulangen. Lenz, am Ende seiner Kräfte, sieht bereits seine Lebensgeister in einem Rinnsal in einem Gulli verschwinden, nimmt aber alle Kraft zusammen und schlägt zu. Aber irgendwie war es das wohl nicht, denn der Gastgeber bittet, leicht enttäuscht schauend, seinen Sohn das Ritual zu wiederholen, was der dann voller Inbrunst und aller Krafttut.
Lenz bekommt mehrfach Wasser ins Gesicht (wie wunderbar erfrischend) und springt (zumindest kurz) in einen halb zugefrohrenen See (ha, welche Wohltat). Der Höflichkeit folgend macht er alles mit und kämpft sich durch (alles wunder-wunderbar!) und erst ganz zum Schluss bemerkt er die den gesamten Körper durchflutende Entspannung, die ihn mit der finnschen Schwitzzeremonie versöhnt.
Lenz ist ein begnadetet Erzähler und läßt die Szenerie vor dem inneren Auge des Lesers entstehen. Man folgt ihm in die Geschichte, ist mitten dabei und fühlt mit. Wunderbarer Lesegenuss, großer Spass!
Tags: Kurzgeschichte, Siegfried Lenz
… kommt Sylvester eigentlich immer! Wiedermal viel zu viel liegen geblieben, ungelesen, unerledigt. Aber, hey, der Weg ist das Ziel! In diesem Sinne: Feiert schön!
Tags: Comic, Sektflaschen








